Sag ich's gleich: Ich habe nie gezögert. Als ich die Brauerei gründete, wusste ich, dass ich in Dosen abfüllen wollte, wegen des Craft-Gefühls und weil das Handwerk dorthin geht, aus guten physikalischen Gründen. Das nimmt der Flasche nichts, die auf anderen Feldern unschlagbar bleibt. Hier ist, was ein Bier kaputt macht, und was jede Verpackung daran ändert.
Schau dir die Glasfarbe vor dem Kauf an
Hopfen enthält empfindliche Moleküle. Trifft Licht sie, brechen sie auseinander und die Bruchstücke setzen sich zu einem Molekül zusammen, das sehr schlecht riecht. Und jetzt fast ein Witz: Man landet in derselben Molekülfamilie wie das, was ein Stinktier zur Verteidigung versprüht. Das ist kein Bild, das ist dieselbe Chemie. Brauer nennen es Lichtgeschmack.
Klarglas filtert nichts, grünes fast nichts, braunes hält das Wesentliche ab. Die Dose blockt alles. Aber eine braune Flasche, im Karton hinten im Lager, nimmt auch nichts an: Der wahre Schuldige ist die Belichtung, nicht das Format.
Beim Händler: Achte auf die klaren oder grünen Flaschen unter Neonlicht oder im Schaufenster. Die haben schon Licht abbekommen. Nimm dasselbe Bier von hinten aus dem Stapel.
Dreh die Verpackung um und such das Datum
Der zweite Faktor ist der Sauerstoff. Er lässt Bier altern, wie er eine liegengelassene Apfelscheibe braun werden lässt: Die fruchtigen Hopfenaromen verschwinden zuerst, dann geht es Richtung nasser Karton. Nichts Gefährliches, nur weniger gut.
Beide Formate schließen sehr gut: Ein moderner Kronkorken hält monatelang perfekt, eine Dose ist in einem Stück gefalzt und bewegt sich nicht mehr. Die Dose hat kurz vor dem Verschließen den Vorteil, weil unter dem Deckel weniger Luft eingeschlossen ist als im Flaschenhals, also weniger Sauerstoff, der die Aromen in den Folgemonaten anknabbert. Bei einem sehr hopfigen Bier schmeckt man das im Glas.
Der Reflex beim Kauf: das Datum ist unter der Dose oder auf der Flaschenschulter aufgedruckt. Bei einem hopfigen ziel auf unter drei Monate in der Flasche. Darüber trinkst du noch etwas Gutes, aber nicht mehr das, was der Brauer im Sinn hatte.
Gieß es ein, in beiden Fällen
'Die Dose gibt einen Metallgeschmack.' Das ist der Satz, den man mir am häufigsten bringt, und alle wiederholen ihn, ohne es wirklich geprüft zu haben. Die Innenseite ist aber mit einem Lebensmittellack ausgekleidet: Das Bier berührt nie das Aluminium. Was du wahrnimmst, ist der Rand an deinen Lippen und deine Nase am Deckel beim Trinken. Dasselbe passiert am Flaschenmund, nur weniger deutlich.
Ich bin der Erste, der im Garten direkt aus der Dose trinkt, ich halte also keine Predigt. Aber probier es einmal: zwei Schlucke, einer aus der Verpackung, einer aus dem Glas. Gleiches Bier, zwei Eindrücke.
Heb die Flasche für Biere zum Reifen auf
Die Flasche hat einiges für sich, und nicht wenig. Sie lässt sich grob wiederverschließen, es gibt sie im großen Teilen-Format, sie verträgt Nachgärung und Reifung über mehrere Jahre, was das Feld starker und saurer Biere bleibt. Ökologisch wird die Dose sehr gut recycelt, aber es ist Recycling, während eine Pfandflasche so wie sie ist wiederverwendet wird, was noch besser ist, wo das Netz existiert.
Bei einem hopfigen Bier, das jung getrunken wird, dreht sich die Reihenfolge um: Die Dose hält die Hopfenaromen mit der Zeit am besten. Vorausgesetzt, du lagerst es zu Hause richtig.
Kurz gesagt
Licht, Sauerstoff, Alterung. Die Verpackung zählt weniger als die Art, wie sie befüllt wurde, und der Ort, an dem sie gelagert wurde: zwei Dinge, die du am Regal und am Datum ablesen kannst. Der Rest ist Geschmack und Verwendung.
Bei uns ist es die Dose, aus Überzeugung, und das hält uns nicht davon ab, sehr gute Flaschen zu öffnen. Unsere gibt's im Shop.
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